Revolut wird zur französischen Bank: Was ändert sich dadurch?
Revolut unternimmt einen weiteren Schritt zur Eroberung des europäischen Bankenmarktes.

Nathalie Janson ist außerordentliche Professorin an der Neoma Business School und Präsident des Thinktanks Génération Libre .
Das britische Fintech-Unternehmen Revolut erhielt am 10. August 2026 eine vollständige Banklizenz in Frankreich. Die Genehmigung erfolgte nach einer Prüfung durch die für ihre strengen Standards bekannte französische Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen und Abwicklung (Autorité de contrôle prudentiel et de résolution, ACPR) und die Europäische Zentralbank. Eine Entscheidung, die die Spielregeln auf dem französischen Markt, der nach wie vor weitgehend von großen traditionellen Netzwerken dominiert wird, grundlegend verändern könnte.
Revolut war im französischen Bankensektor nicht völlig abwesend. Bislang operierte das Unternehmen innerhalb der Europäischen Union dank der Lizenz seiner litauischen Tochtergesellschaft, die über den „europäischen Pass“ auch in anderen Mitgliedstaaten genutzt werden konnte. Die neue Lizenz markiert einen bedeutenden Wandel: Die Revolut Bank SA wird zu einer vollwertigen französischen Bank, und Paris wird zum Zentrum ihrer westeuropäischen Aktivitäten. Zuvor besaß sie lediglich eine eingeschränkte Lizenz. Französische Kunden werden schrittweise auf die neue Bank übertragen, gefolgt von Kunden in Deutschland, Irland, Italien, Portugal und Spanien. Litauen wird weiterhin die übrigen europäischen Märkte betreuen.
Für französische Kunden ändert sich zunächst wenig: Revolut bot bereits Konten, Karten und zahlreiche Finanzdienstleistungen an. Die französische Lizenz ermöglicht es dem Unternehmen nun jedoch, deutlich mehr zu bieten und speziell auf den französischen Markt zugeschnittene Produkte zu entwickeln: insbesondere Kredite, Hypotheken und regulierte Sparprodukte. Kundeneinlagen, die nach Frankreich transferiert werden, sind bis zur europäischen Höchstgrenze von 100.000 € pro Einleger und Institut durch die französische Einlagensicherung geschützt.
Die Übernahme dieses Preises durch Revolut ist zu einer strategischen Notwendigkeit geworden. Das Fintech-Unternehmen zählt bereits über 7 Millionen Kunden in Frankreich, vorwiegend junge Kundschaft. Die Herausforderung besteht daher nicht mehr nur in der Neukundengewinnung, sondern darin, diejenigen, die Revolut bisher als Zweitbank genutzt haben, zu Stammkunden zu machen, die dort ihre Gehälter, Ersparnisse und zukünftig auch ihre Hypotheken einzahlen. Mit geplanten Investitionen von über 1 Milliarde Euro und rund 400 Neueinstellungen in Frankreich will Revolut sich vom Fintech zum direkten Konkurrenten von BNP Paribas, Crédit Agricole, Société Générale und BPCE entwickeln. Dies wird ein Praxistest sein, um zu sehen, ob das Fintech über die notwendigen Kompetenzen im Risikomanagement verfügt, denn die Kreditvergabe unterscheidet sich grundlegend von der Konto- und Zahlungsabwicklung.
Die eigentliche Umwälzung ist daher weniger regulatorischer als vielmehr wettbewerblicher Natur: Nachdem Revolut die Banken über Zahlungsverkehr, Gebühren (insbesondere bei internationalen Überweisungen) und ein breites Spektrum an Finanzanlagen – ETFs und Kryptowährungen – angegriffen hat, kann das Unternehmen nun mit ihnen in ihrem Kerngeschäft konkurrieren: Einlagen und Kredite. Für französische Banken hat der Kampf gerade erst begonnen, und er beginnt vielversprechend, da Revolut eine deutlich jüngere Zielgruppe anspricht als traditionelle Banken.